Mittwoch, 22. April 2015

Du glaubst, es geht Dich nichts an?

Glaubst, dass Syrien weit weg ist? Meinst, dass die Sache mit den Flüchtlingen zwar traurig ist, aber dass sich die Politik darum kümmern muss? Bist sicher, dass das Schicksal dieser Menschen nichts mit Deinem zu tun hat? Du irrst, mein Freund. Du irrst.


Wir können nicht mehr wegschauen. Wir können uns nicht mehr zurücklehnen, uns abschotten, die Welt um uns herum ignorieren. Zu dicht sind wir zusammengerückt, zu nah ist der, der in Syrien um sein Leben bangt und es dann im Mittelmeer verliert.

"If you spend your summer in a European city on the Mediterranean, enjoying the sun, the nice beach, and your Mojito; don't be shocked if the waves of the sea carry a dead body right next to your feet."

So die Worte, die heute unter einer Reihe von Bildern stehen, die auf Facebook die Runde machen. Bilder von Flüchtlingen, die irgendwo an einem europäischen Strand buchstäblich herausgefischt wurden. Manche tot, wenige lebendig.

Wie lange wollen wir das noch zulassen?

Als ich die DDR im Februar 1989 mit einem Ausreiseantrag verlassen habe, war ich im Grunde auch nichts anderes als ein Flüchtling. Einer, der weder politisch verfolgt wurde, noch um sein Leben zu bangen hatte. Ich hatte andere Gründe, aber ich weiß, wie es sich anfühlt, sein Land zu verlassen, selbst wenn es nur ein paar Schritte bis zur anderen Seite waren. Ich weiß auch, wie es sich anfühlt, als Fremder um Aufnahme zu bitten. Trotzdem kann ich nur erahnen, wie es all jenen geht, die nicht blond und blauäugig sind. Haben wir schon vergessen, dass es noch gar nicht so lange her ist, dass wir Deutschen diejenigen waren, die auf Gastfreundschaft angewiesen waren? Wo ist unsere? Was wäre, wenn es andersherum wäre? Wenn wir diejenigen wären, die an Afrikas Türen klopfen? Hier ein Spot von Amnesty International:
   
Ich weiß, dass all das, was derzeit in der Welt geschieht, all die Ungerechtigkeiten, all der Hass kaum auszuhalten sind. Aber die Einschläge werden noch dichter kommen und die Botschaft wird deutlicher werden:

Wir alle sind verantwortlich für diese Dramen. Weil wir sie zulassen. Weil wir mit unseren Hintern im Sessel sitzen und glauben, dass uns das nie wieder passieren kann. Dass wir nichts damit zu tun haben. Dass das alles weit weg ist. Dass es immer nur die anderen sind, die es trifft. Weil sie so radikal, so islamistisch, so muslimisch, so palästinensisch, so israelisch, so schwarz, so braun - eben so anders sind.
 

Es tut mir leid, wenn ich das sage, aber Europa und seine Bewohner haben nicht viel aus seinen Kriegen gelernt. Jedenfalls nicht das, was wir hätten lernen können. Demut vor dem Leben und

Menschlichkeit

Heute am Earth Day kann die Botschaft dringlicher kaum sein. Herbert Grönemeyer hat es so treffend besungen:

"Welche Armee ist heilig?
Du glaubst nicht besser als ich!
Bibel ist nicht zum einigeln,
die Erde ist unsere Pflicht!
Sie ist freundlich, freundlich -
wir eher nicht.

Ein Stück vom Himmel,
ein Platz von Gott,
ein Stuhl im Orbit,
wir sitzen alle in einem Boot!
Hier ist dein Haus,
hier ist was zählt.
Du bist überdacht
von einer grandiosen Welt.

Religionen sind zu schonen,
sie sind für Moral gemacht.
Da ist nicht eine hehre Lehre,
kein Gott hat klüger gedacht,
ist im Vorteil, im Vorteil.

Welches Ideal heiligt die Mittel?
Wer löscht jetzt den Brand?
Legionen von Kreuzrittern
haben sich blindwütig verrannt.
Alles unendlich, warum unendlich?
Krude Zeit."  
                            (Auszug Herbert Grönemeyer: "Ein Stück vom Himmel" CD Zwölf)

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