Donnerstag, 17. September 2015

Crowdfunding für Ayham

@Somar Aijawi
Zeit für einen neuen Eintrag, denn die Ereignisse überschlagen sich und "Let music speak for Yarmouk" bekommt eine ganz neue Bedeutung. Nun geht es nicht mehr um ein Konzert für Ayham, sondern um ein Konzert mit Ayham. Aber immer schön der Reihe nach.


Ayham Ahmad, der Pianist aus Syrien, hat Yarmouk und sein Heimatland Syrien verlassen und ist derzeit auf dem Weg nach Deutschland. Wann er hier ankommt, ob und wie es ihm gelingt, die neu errichteten Grenzzäune zu überwinden - ich weiß es nicht. Für ihn war allein schon der Weg bis nach Griechenland höchst dramatisch und seine Geschichte reiht sich damit in die vielen anderen Geschichten ein, die wir derzeit von Menschen hören, die es aus Syrien und aus anderen Kriegsgebieten bis nach Deutschland geschafft haben.

Ich möchte, bevor ich weiter über Ayham schreibe, noch kurz etwas einstreuen. Heute morgen wurde ich von einem Freund via Facebook dazu aufgefordert, aufzuschreiben, wofür ich dankbar bin. Neben all den wunderbaren Geschenken, die manchmal auf den ersten Blick so selbstverständlich daherkommen, die aber mein Leben Tag für Tag  bereichern, gibt es eine Sache, für die ich wirklich von Herzen dankbar bin. Es war der Speaker und Autor Veit Lindau, der neulich die These in den Raum warf, dass die Flüchtlinge "Engel" sind, die uns an etwas erinnern, die etwas in Bewegung bringen. Da Lindau alles andere als esoterisch ist, meinte er den Begriff Engel eher im weltlichen, als im mystischen Sinne. Und ja, ich gebe ihm uneingeschränkt Recht. Denn schau dich um, was in unserem Land passiert, dann haben all diese Menschen ein Licht angezündet. Hätte jemals einer gedacht, dass unsere Kanzlerin sich einmal so weit hinauslehnt? Dass sie mit einem Satz quasi die Vertrauensfrage an ihr Volk stellt? Hätten wir je gedacht, dass so viele Menschen die Arme und ihre Herzen öffnen und Notleidende willkommen heißen? Dass sie spenden, ihre Zeit, ihre Kompetenz, ihre Nächstenliebe einfach so verschenken? Niemals hätte ich das für möglich gehalten und ich bin so glücklich, dass es jetzt so ist.

Jene, die derzeit zu uns kommen, haben uns wachgerüttelt. "Wir waren so satt, so selbstgefällig." sagte heute ein Freund und ja, das stimmt. Und nun stehen wir neben denen, die nichts haben. Nur ihr Herz und ihren Mut. Die ganz von vorn beginnen. Und sie lehren uns so viel. Über Großmut, über Heimat, über das Leben. Ich hatte gestern eine kurze Begegnung, die mein Herz ganz tief berührt hat. Ich war mit meiner Tochter und unserem Hund unterwegs. Vor uns lief eine Flüchtlingsfamilie, die auf dem Weg zu ihrer Unterkunft war. Ein kleines Mädchen drehte sich um und lächelte mich an. Natürlich lächelte ich zurück. Ganz verzückt lief sie zu ihrem Vater, flüsterte ihm etwas ins Ohr, er drehte sich um und lächelte mich ebenfalls an. Wir blieben nicht stehen, gingen alle weiter, aber plötzlich drehten sich alle Familienmitglieder zu mir um. Die Jungs, die Mädchen, die Mutter, der Vater und sie alle schenkten uns so ein bezauberndes Lächeln und eine Geste der Freude, dass mir augenblicklich die Tränen in den Augen standen. Ich meine: MEIN GOTT, wann erlebst du so etwas in Berlin? Wo alle hetzen, alle mit sich beschäftigt sind, alle ihre eigenen Sorgen haben? Mein Herz hat Freudensprünge gemacht und getanzt.

Aber zurück zu Ayham. Ich habe ja schon oft über ihn geschrieben. Vorrangig auf Facebook auf der "Let music speak for Yarmouk" Seite. Er hat den Menschen in Yarmouk so viel gegeben. Und er ist nicht einfach nur so aufgebrochen. Er will seine Mission weiterführen - die Welt wachrütteln, den Blick auf sein Land lenken. Auf seine Heimat Syrien. Er will in Deutschland spielen - für uns, für Syrien. Wenn er hier ankommt, dann hat er wie die meisten Flüchtlinge nichts, außer die Sachen, die er am Leib trägt, sein Handy und vielleicht noch ein paar private Dinge. Wir - das sind mittlerweile schon einige Menschen - wollen ihn unterstützen, ihm unter die Arme greifen und ihm den Weg ebnen, damit er in Deutschland wieder singen und Piano spielen kann. Darum die Bitte:

Es gibt eine Crowdfunding-Aktion für Ayham. Und wenn Du auch Teil unserer kleinen Gemeinschaft werden willst und Ayham unterstützen möchtest, dann kannst Du das hier tun:


Denk nicht in großen Summen - ein kleiner Beitrag reicht. Und wenn Du dann noch etwas übrig hast, beteilige Dich doch noch an der Spendensammlung 


Lasst uns die Welt gemeinsam zu einem besseren Ort machen. Nicht nur für Ayham, sondern für alle.

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